"Hartmanns Hammerschmiede
Als Waffenschmiede erbaut um das Jahr 1500, ältestes Hammersystem mit Wasserantrieb"
so steht’s auf einem fast unleserlichen Schild neben der Tür.

 

Dumpfes Dröhnen dringt durch das Tal des Bergflüßchens Ostrach oberhalb von Hindelang im Allgäu. Wie ein Koloss der Urzeit stampft der Hammer der alten Waffenschmiede seinen Takt.
Öffnet man die Tür der Schmiede, schmerzt jeder Schlag.
In der alten Hammerschmiede arbeitet der Schmied Franz Scholl wie vor Hunderten von Jahren. Das Blech von eisernen Pfannen zwischen Hammerkoloss und Amboss überträgt jeden Schlag wie eine überdimensionale Lautsprechermembran.
Einstmals war hier das Zentrum der deutschen Rüstungsindustrie.  Die Hindelanger Waffenschmiede genossen einen geradezu legendären Ruf.
Der Umfang ihrer Leistungsfähigkeit geht zum Beispiel aus dem "Befelch-Buch" im Stadthalterei-Archiv Innsbruck hervor: 30. November 1520, 5000 Fußknecht-Spieße; 5. Juni 1521, 1500 Spieße; 26. Februar 1524, 8000 Gemeinde-Spießeisen; 6. Dezember 1524, 5000 Fußknecht-Spießeisen. Das sind in einem Zeitraum von vier Jahren 19500 Landsknecht-Spieße, für damalige Zeiten eine enorme industrielle Leistung.

 

Als Waffen dieser Art nicht mehr gefragt wahren, entstanden die berühmten Hindelanger Nagelschmieden. 110 waren es in der hohen Zeit des 17.  Jahrhunderts.
Auch heute noch ist das Wasser eine wohlfeile Energie, die die vier uralten riesigen Hämmer – wohl die ältesten im Land – mit gewaltigem Gedröhn aufs erhitzte Roheisen schlagen lässt. Waffen nach der alten Kunst werden zwar noch hergestellt, aber nur zu häuslicher Zier.

Dafür haben Pfannen jeder Größe dieses Schmiedes die Herde von Kennern und Könnern erobert. Fast scheint es so. als würde an den Stückzahlen von vor 500 Jahren wieder angeknüpft

Geschichtliches der Hammerschmieden im Ostrachtal als pdf-Datei